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Mongolei | Bis ans Ende der Steppe

Do. 17. Oktober: Treffpunkt Pfarre, Timelkam; Beginn: 19:30; freiwillige Spende


Die Augenlider zucken immer häufiger, der Kopf fängt an sich unruhig von links nach rechts zu bewegen, instinktiv beuge ich mich blitzschnell nach vorne, bekomme das gewebte Band zwischen Zeige- und Mittelfinger zu fassen, ich ziehe daran, kann den Knoten lösen, der im schlimmsten Fall eine Katastrophe bedeutet. Das Pferd schlägt immer wilder mit seinem Haupt hin und her, reißt sich gänzlich von der Leine los und galoppiert mit einer höllischen Geschwindigkeit in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Ich sitze auf dem zweiten Pferd, habe Mühe es unter Kontrolle zu halten, innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde muss ich der Lage Herr werden, ich entschließe mich für die Flucht nach vorne, presse meine Waden fest zusammen und gebe das Kommando zum Galopp, im aufgewirbelten Staub der Steppe jage ich meinem Packpferd hinterher.
Ich befinde mich inmitten der Mongolei, sieben Tage bin ich bereits mit meinen beiden Gefährten unterwegs. Von meinem ersten Versuch ein mongolisches Pferd zu kaufen, um durch die Steppen zu reiten, bis zu dem Tag, an dem ich den Sattelgurt schlussendlich festzurre, um in Richtung Westen aufzubrechen, sind zwölf Jahre vergangen. Die ersten Tage auf dem Rücken meiner beiden Pferde hatte ich noch Begleitung, doch ab der Stadtgrenze von Ulaanbaatar bin ich auf mich alleine gestellt. Im Frühverkehr reite ich durch die Millionenstadt, um am Ende des Tages erleichtert deren nördliches Ende zu erreichen. Von da an folge ich dem Lauf des Flusses Tuul, der zumindest für die Tiere eine verlässliche Wasserquelle bietet. Die Vegetation wird spärlicher und als ich mich vom Flusslauf entferne, sind die Tage von der Suche nach Wasser dominiert. Während manche Gebiete karg und verlassen sind, reihen sich in anderen Gegenden die Jurten im Abstand von wenigen Kilometern aneinander. Als ich die Pferde zu Mittag grasen lasse und mich selbst im Schatten meines aufgespannten T-Shirts vor der Sonne verstecke, werde ich von zwei Männern, die auf ihren Pferden vorbei kommen, zum Tee eingeladen. Ich entscheide mich länger zu bleiben. Daraufhin werden die mit überdimensionierten Fleisch- und Fettstücken gefüllten Gedärme der geschlachteten Ziege serviert. Jeder, der im Kreis der Jurte sitzenden, schneidet sich ein großes Stück davon ab. Dazu wird eine Schale mit Wodka gereicht.
Von Tag zu Tag und von früh bis spät wandere ich, mit meinen beiden tierischen Begeleitern, durch die karge Steppe und das immer trockener werdende Gras kann die Tiere auf ihrer Reise kaum mehr satt machen. Es dauerte etwas, bis ich zustimmte, als mir eines Morgens ein Mongole sein Motorrad zum Tausch gegen meine beiden Pferde anbietet. Schlussendlich willigte ich ein, drehte am Gashebel und erreichte bald darauf und glücklich über das gute Tauschgeschäft die Ruinen der versunkenen Stadt Karakorum - Hauptstadt des einst mächtigen Mongolenreichs Dschingis Khans. Von dort führt mich mein Weg weiter in Richtung Süden, in und durch die Wüste Gobi. Drei Monate nach meinem Aufbruch in Ulaanbaatar erreichte ich das Ende der Steppe und damit den von Edelweiswiesen umgebenen Gipfeln des Tavan Bogd, am westlichsten Ende der Mongolei.

Valentino Dax vierte Reise in die Mongolei führte ihn im vergangenen Jahr, auf dem Rücken eines Pferdes, durch die mongolische Steppe. Nach zahlreichen Reitstunden und mit Hilfe der über die Jahre gewonnen, mongolischen Freunden machte er im Vorjahr seinen Traum endlich Wirklichkeit. In diesem brandneuen Vortrag erzählt er audiovisuelle seine Geschichten über die Hoffnungen und Rückschläge mit den beiden tierischen Weggefährten. Über den Abschied von ihnen und darüber wie er seine beiden Begleiter gegen ein Motorrad tauschte.
Nach seinen bisherigen Vorträgen „Zwischen Zarenstadt und Kaiserthron - Russland, Mongolei, China“, „Mit dem Kajak nach Sibirien - von der Mongolei zum Baikalsee“ und „Mit dem Fahrrad durch den Iran“ ist es Valentino Dax vierter Vortrag, der am Donnerstag, 17. Oktober 2019 in Timelkam Premiere feiert.

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